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Gute Verluste und schlechte Gewinne?

Michael Müller • 5. Juni 2024

Erfahren Sie, wie das Verständnis von guten und schlechten Gewinnen und Verlusten den Unterschied zwischen langfristigem Erfolg und Misserfolg ausmacht.

Gute Verluste?

Fakt ist: Erfolgreiches Investieren an der Börse kommt nicht ohne Verluste aus.

Kein Anleger, kein Investor und kein Trader, egal wie erfahren oder erfolgreich, kann eine Trefferquote von 100% vorweisen. Verluste gehören ebenso zur Börse wie Gewinne, und das Verständnis sowie der Umgang mit diesen Verlusten kann den Unterschied zwischen langfristigem Erfolg und Misserfolg ausmachen.


Das Ziel jeder Anlagestrategie besteht darin, einen statistischen Vorteil zu erreichen, bei dem die Summe der Gewinne langfristig höher ist als die Summe der Verluste. Doch nicht alle Verluste sind gleich, und ebenso wenig sind alle Gewinne gleichwertig. In diesem Artikel betrachten wir die Konzepte „gute Verluste“ und „schlechte Gewinne“ im Detail und zeigen auf, wie diese unterschieden und gehandhabt werden sollten.

Verluste sind schmerzhaft. Sie kosten nicht nur Geld und zuweilen auch Zeit, vor allem aber kosten sie Nerven und führen regelmäßig zu großen Zweifeln. Zweifeln an der Strategie, Zweifeln an sich selbst oder einer anderen Person und auch Zweifeln daran, ob das eigene Ziel überhaupt erreicht werden kann. Und dennoch gibt es auch "gute Verluste".

Was sind "gute Verluste"?

"Gute Verluste" sind jene Verluste, die im Rahmen einer erfolgreich erprobten Anlagestrategie auftreten und daher als normal und unvermeidbar gelten. Sie sind ein natürlicher Bestandteil des Investierens und kein Zeichen von Fehlverhalten oder Fehlentscheidungen. Kurz: Es sind die statistischen Verluste einer Strategie.


Jede Anlagestrategie, sei sie noch so gut, wird Verluste erzeugen. Diese Verluste sind Teil der statistischen Verteilung der Ergebnisse. Wenn eine Strategie beispielsweise in 60% der Fälle Gewinne und in 40 % der Fälle Verluste produziert, dann sind die Verluste, die innerhalb dieser 40% auftreten, als gute Verluste zu betrachten. Sie sind vorhersehbar und einkalkuliert.


Selbst bei perfekter Ausführung der Strategie sind diese Verluste nicht zu vermeiden. Solche Verluste sind als Teil des langfristigen Spiels zu sehen und nicht als Zeichen einer fehlerhaften Strategie. Die Börse folgt keinen festen Regeln. Es formen sich lediglich gewisse Muster, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in einem möglichen Szenario enden. Muster, die einen statistischen Vorteil liefern können.

Was sind „schlechte Verluste“?

Schlechte Verluste sind hingegen vermeidbare Verluste, die durch menschliche Fehler, emotionale Entscheidungen oder das Abweichen von der festgelegten Strategie entstehen. Sie sind häufig das Ergebnis einer unzureichenden Disziplin und eines Mangels an Struktur beim Investieren. Hier sind einige Beispiele:


  • Missachtung von Stoppkursen: Ein häufiges Problem ist das Ignorieren oder Verschieben von Stoppkursen. Stoppkurse sind dazu da, Verluste zu begrenzen und das Kapital zu schützen. Wenn Anleger diese bewusst missachten, entstehen unnötige und oft hohe Verluste.
  • Vorzeitiger Verkauf: Panikverkäufe oder das Verlassen einer Position, bevor die Strategie dies vorsieht, können zu Verlusten führen, die eigentlich nicht hätten eintreten müssen. Diese Verluste entstehen oft aus Angst oder Unsicherheit.
  • Zu langes Halten der Position: Das Festhalten an verlustreichen Positionen in der Hoffnung auf eine Trendwende kann ebenfalls zu großen Verlusten führen. Disziplinierte Anleger wissen, wann sie einen Verlust akzeptieren müssen, um größere Schäden zu vermeiden.
  • Eröffnung einer Position außerhalb der Strategie: Impulskäufe oder das Eingehen von Positionen, die nicht durch die Strategie gedeckt sind, führen oft zu Verlusten. Diese Entscheidungen basieren selten auf fundierten Analysen und enden oft schlecht.
  • Revenchetrades: Nach einem eingetretenen Verlust versuchen einige Anleger, diesen durch sofortige neue Trades wieder wettzumachen. Solche Rachekäufe sind emotional getrieben und enden meist mit weiteren Verlusten.
  • Zu hohe Hebel: Der Einsatz von Hebelwirkung kann zwar die Gewinne maximieren, aber auch die Verluste potenzieren. Ein übermäßiger Hebel führt oft zu schnellen und hohen Verlusten, die das Kapital massiv schädigen können.

Gute und schlechte Gewinne

Ähnlich wie bei Verlusten gibt es auch bei Gewinnen Unterschiede zwischen guten und schlechten Gewinnen. Gute Gewinne sind das Resultat einer disziplinierten Anwendung der Anlagestrategie, während schlechte Gewinne durch Abweichungen von der Strategie entstehen und langfristig mehr schaden als nützen. Gewinne, die erzielt werden, weil die Anlagestrategie missachtet wurde, sind problematisch. Diese Gewinne können zufällig sein und verleiten oft dazu, die Disziplin zu vernachlässigen. Dies führt langfristig zu schlechteren Ergebnissen. Welche Art von Abweichung können das sein?


  • Zu frühes Verkaufen: Gewinne, die durch das vorzeitige Verkaufen von Positionen realisiert werden, können das Potenzial einer Strategie untergraben. Oft hätten diese Positionen bei strikter Einhaltung der Strategie größere Gewinne erzielt.
  • Zu spätes Schließen der Position: Das Festhalten an Positionen, die nach der Strategie geschlossen werden sollten, kann ebenfalls kurzfristige Gewinne bringen. Diese Gewinne sind jedoch oft riskanter und können leicht in Verluste umschlagen.
  • Impulskäufe außerhalb der Strategie: Gewinne, die aus spontanen Entscheidungen ohne fundierte Analyse resultieren, sind ebenfalls gefährlich. Diese Gewinne sind selten wiederholbar und basieren eher auf Glück als auf einer soliden Strategie.
  • Missachtung von Stoppmarken: Auch das Ignorieren von Stoppmarken kann zu kurzfristigen Gewinnen führen. Langfristig führt dies jedoch oft zu größeren Verlusten, wenn der Markt sich gegen die Position entwickelt.

Der langfristige Erfolg im Fokus

langfristiger Fokus

Wer versteht, dass Verlustpositionen zur Börse und jeder Anlagestrategie gehören, wird lernen, mit Verlusten besser umzugehen und langfristig erfolgreicher zu agieren. Disziplin und das strikte Befolgen der eigenen Anlagestrategie sind dabei entscheidend.


  • Emotionale Kontrolle: Der Schlüssel zum Umgang mit Verlusten und zum Vermeiden schlechter Gewinne ist die Kontrolle der eigenen Emotionen. Angst und Gier sind die größten Feinde eines erfolgreichen Anlegers. Eine klare Strategie und die Disziplin, diese zu befolgen, helfen, emotionale Entscheidungen zu vermeiden. Dies erlernt man jedoch nicht über Nacht, sondern ist ein Prozess.
  • Risikomanagement: Ein solides Risikomanagement ist unerlässlich. Dies umfasst das Setzen und Einhalten von Stoppkursen oder anderer fester Verkaufsregeln, die Diversifikation des Portfolios und das Vermeiden von übermäßiger Hebelwirkung. Wer das Risiko im Griff hat, kann auch mit unvermeidlichen Verlusten besser umgehen.
  • Reduzierung der Informationsquellen: Es gibt unzählige erfolgreiche Anlagestrategien und so viele unterschiedliche Marktmeinungen, wie es Anleger gibt. Unterschiedliche Aussagen (z.B. durch unterschiedliche zeitliche Sichtweisen) können zur Unsicherheit beitragen.
  • Langfristige Perspektive: Kurzfristige Gewinne und Verluste sind weniger relevant als der langfristige Erfolg. Eine Strategie sollte darauf ausgerichtet sein, über Jahre hinweg konsistente Gewinne zu erzielen. Dies erfordert Geduld und das Vertrauen in die eigene Methode.
  • Systematische Analyse: Nach jeder Verlustphase sollte eine gründliche Analyse erfolgen. War der Verlust Teil des normalen Risikos der Strategie, oder wurde ein Fehler gemacht? Diese Reflexion hilft, aus Fehlern zu lernen und die Strategie zu verbessern.

Fazit

Ganz gleich, ob schlechte Verluste oder schlechte Gewinne. Beide Sachverhalte führen langfristig zum gleichen Resultat - eine deutliche Verschlechterung des ursprünglichen Chance/Risiko-Verhältnisses der Anlagestrategie.


Verluste sind ein unvermeidlicher Teil des Investierens, aber nicht alle Verluste sind gleich. Gute Verluste entstehen im Rahmen einer erprobten Anlagestrategie und sind ein natürlicher Teil des Investitionsprozesses. Schlechte Verluste hingegen resultieren aus emotionalen und impulsiven Entscheidungen, die außerhalb der strategischen Vorgaben liegen.


Wer versteht, dass Verluste zur Börse gehören und lernt, zwischen guten und schlechten Verlusten zu unterscheiden, wird langfristig erfolgreicher agieren. Die Fähigkeit, Verluste zu akzeptieren, aus ihnen zu lernen und eine disziplinierte Anlagestrategie zu verfolgen, ist entscheidend für den Erfolg an den Finanzmärkten.

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